Wie war? … FORTBILDUNG: ESTILL VOICE TRAINING in der Stimmtherapie

Am 11.-12.05.2014 besuchte ich meine Heimat, das Rheinland, um in Köln die Fortbildung „ESTILL VOICE TRAINING in der Stimmtherapie“ bei PROLOG zu geben. Logopädinnen und Logopäden aus ganz Deutschland und sogar Österreich waren angereist, um sich einen ersten Eindruck vom EVT zu machen.

In den zwei Tagen habe ich natürlich nur einen kleinen Einblick geben, aber dennoch die wichtigsten Inhalte vermitteln können, die zur Behandlung von Stimmstörungen relevant sind.

Besonders der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen hat gezeigt, dass die Stimmtherapie bereits über viele gute Ansätze verfügt, EVT aber aufgrund seiner Klarheit und des isolierten Trainings einzelner an der Stimmgebung beteiligten Strukturen einen großen Mehrwert hat. Erschien es den Teilnehmerinnen an Tag 1 noch sehr komplex und schwierig, so wurde doch in der Anwendung an Tag 2 die einfache Anwendung deutlich.

Für mich hat EVT folgenden Aspekt in meine Arbeit als Stimmtherapeutin/Stimmtrainerin/Gesangsdozentin gebracht:

Wir haben nur eine Stimme, diese hat nur eine Anatomie & Physiologie, welche wir auf eine bestimmte Art und Weise benutzen. Diese „Art und Weise“ gilt es für mich als Trainier zu erkennen und hinsichtlich der Stimmgesundheit und des Klangwunsches zu optimieren. Optimieren bedeutet: 1. Erkennen des Klangrezeptes und der dazu gehörigen stimmlichen Gewohnheitsmuster (im Estill auch „Attractor State“ gennant) 2. Bestimmen des Aufwandes, der in welchen Muskeln betrieben wird, um diesen aktuellen Klang zu erreichen (meist arbeiten wir zu viel an den „falschen“ Stellen) 3. Aktivieren und isoliertes Trainieren der „richtigen“ muskulären Strukturen.

Ein Beispiel, dass uns an diesem Wochenende wiederholt aufgefallen ist: Bauch anspannen/rein drücken, oder auch von vielen als „Stützen“ beschrieben, führte nicht zum gewünschten Klangziel. Wurde die Bauchmuskulatur gelöst und dafür die Muskulatur in Rücken, Kopf und Hals zur Unterstützung der Stimme benutzt (Torso + Head and Neck Anchoring), war eine leichte, laute Stimmgebung auch in der Höhe möglich. Denn so kann das Zwerchfell frei arbeiten, der Kehlkopf ist in einem stabilen Muskel“gerüst“ aufgehangen und die Stimmlippen und der Atem können ungehindert auf einander reagieren.

Auch die Taschenfalten und deren „blöde“ Angewohnheit, sich in der Höhe oder beim Wunsch laut zu werden reinzudrücken (Constriction), wurden als wunderbare Lösung für Stimmprobleme erkannt. Denn das Hinausziehen der Taschenfalten kann sehr einfach z.B. über ein glückliches Lachen stimuliert werden (Retraction).
Diese und weitere Erkenntnisse und die dazugehörigen Übungen (Figures for Voice Control) nahmen die Teilnehmer nach zwei vollgepackten Tagen mit nach Hause und ich hoffe, sie konnten sie in ihrem beruflichen Alltag bereits ausprobieren. Sicher bin ich mir, dass die Stimmarbeit durch EVT konkreter wird und wir hoffentlich langsam weg kommen, vom bis ins unendliche Entspannen der Stimmpatienten mit dem Igelball  ( – diese übertriebene kleine Spitze erlaube ich mir an dieser Stelle) – hin zu einer gezielten, effektiven Stimmarbeit.

Gerne höre ich, wie Euch die Fortbildung gefallen hat und sehe Euch im nächsten Jahr bei PROLOG wieder.

Stephanie

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